Drei Fragen an Ernährungsmedizinerin Frau Dr. Silja Schäfer
Einleitung
Gesunde Ernährung kreativ denken mit Dr. Silja Schäfer

Frau Dr. Silja Schäfer ist Ärztin für Ernährungsmedizin und Mutter von zwei Kindern. In ihrem Online-Vortrag „Was Kinder essen, entscheidet über ihre Zukunft. Tipps und Tricks für den Alltag“, gehalten im Rahmen von Gesunde Erde. Gesunde Kinder., zeigt sie praxisnah, wie gesunde Ernährung in Familien funktionieren kann, ohne Druck, dafür mit Spaß und Kreativität. Wichtig war dabei unter anderem die Frage: Wie lässt sich eine familiengerechte Esskultur schaffen, die gesund, alltagstauglich und nachhaltig ist?
Im neuen Format „Kurzinterviews mit Expert/-innen“ greifen wir zentrale Impulse aus dem Vortrag auf und vertiefen sie mit Bezug auf unser Quartalsthema Kreativität und die Herausforderungen des Familienalltags:
- Was ist bei der Planetary Health Diet das Wesentliche und wie lässt sich das mit Kindern umsetzen?
- Wie wird gemeinsames Kochen zum kreativen Lernprozess?
- Und was tun, wenn Teenager lieber Fast Food essen?
Die Antworten verbinden praxisnahe Ernährungstipps mit unserem aktuellen Leitthema Kreativität – für mehr Gesundheit und Nachhaltigkeit im Familienalltag.
Gemeinsam nachhaltig genießen
So gelingt Planetary Health Diet im Familienalltag
Frage 1:
Frau Dr. Schäfer, die Planetary Health Diet gilt als zukunftsfähiges, nachhaltiges Ernährungskonzept. Welche zentralen Punkte sollten Familien kennen und wie lässt sich dieses Modell pragmatisch und alltagstauglich umsetzen?
Antwort:
Die drei wichtigsten und damit zentralen Ernährungsempfehlungen lauten: weniger tierische Produkte, mehr Nüsse und Hülsenfrüchte neben viel Gemüse und mehr Vollkornprodukte in allen Varianten; d. h. mehr Vollkornbrot, -brötchen, Vollkornreis oder Vollkornnudeln. Haferflocken sind zum Beispiel immer aus dem vollen Korn.
Und mit einer gut durchdachten Strategie lässt sich dies im Handumdrehen umsetzen: eine kleine Schale Nüsse darf zum Beispiel immer auf dem Esstisch stehen (natürlich nur, falls es keine Nuss-Allergien in der Familie gibt); Vollkornnudeln kann man unter Hartweizennudeln mischen und den Vollkornanteil von Woche zu Woche immer ein weniger höher schrauben. Ein Vorspeisensalat darf etabliert werden, der vielleicht sogar reihum vorbereitet wird.
Kreative Familienküche
Gemeinsam kochen, mitgestalten und lernen
Frage 2:
In Ihrem Vortrag sprechen Sie über kleine Veränderungen mit großer Wirkung. Warum lohnt es sich, gemeinsames Kochen als kreativen Prozess zu gestalten, in den sich alle Familienmitglieder einbringen können?
Antwort:
In der Kindheit und Jugend wird der Grundstein für Gesundheit im weiteren Lebensverlauf gelegt. Übergewichtige und adipöse Kinder tragen bereits ein höheres Risiko an Zivilisationskrankheiten wie Diabetes mellitus Typ 2, metabolische Fettleber oder Fettstoffwechselstörungen zu erkranken. Und wollen wir nicht das Beste für unsere Kinder?
Und wenn ich jetzt die physische Gesundheit (mit gutem Essen) mit der mentalen Gesundheit (gemeinsames Kochen, kreativ sein) verbinde, schlage ich gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Ich stärke die Selbstverantwortung und -wirksamkeit jedes einzelnen Familienmitglieds, kreiere „quality time“, jeder kann sich in Mahlzeiten wiederfinden und fühlt sich weder ausgeschlossen noch übergangen, probiert dann auch mal eher unbekannte Nahrungsmittel aus – das familiäre Gemeinschaftsgefühl wird gestärkt, Rituale werden etabliert… für eine bessere Zukunft für jede einzelne Person und für unseren Planeten.
Teenies im Fast Food-Rausch
So lassen sich Jugendliche für gesunde Ernährung begeistern
Frage 3:
Viele Eltern können ein Lied davon singen: Trotz aller Bemühungen bevorzugen Teenager häufig Fast Food und Softdrinks. Welche Strategien und/oder Kompromisse empfehlen Sie, um trotzdem eine gesunde Ernährung zu fördern?
Antwort:
Die beste Strategie wäre meines Erachtens als gutes Vorbild voranzuschreiten und immer wieder gesündere Alternativen aufzutischen und dabei nicht den Mut zu verlieren – auch wenn es vielleicht mal kein Lob für ein frisch gekochtes Mahl gibt. Bleiben Sie als Erwachsene am Ball, aber verbieten sie nicht alles.
Ein Beispiel aus meinem Familienalltag : „Mama, ich esse jetzt ein Brot mit Nutella; aber schau mal: Ich nehme das Vollkornbrot und esse ein Stück Gurke hinterher.“ Ich hoffe, dass ich hier die Grundlagen gesät habe. Aber klar ist, zu viele Verbote treiben die Kinder eher Richtung ungesundes Essen. Man darf gern eine gesunde Mischung diskutieren. Und ich kann nur aus Erfahrung berichten: je älter die Kinder werden, desto eher greifen sie dann zu den bekannten „guten Dingen“.